Kopflos, oder-Wie du deinen Frieden machst

 

 

 

 

Kopflos

oder: Wie du deinen Frieden machst

 

 

In Thailand habe ich mit einigen Freunden im selben Haus gewohnt und es gab durchaus häufiger gemütliche Abende auf dem Gemeinschaftsbalkon. Couchsurfer und andere Kollegen sind auch oft dazugestossen, sodass es immer eine bunte Mischung und nie langweilig wurde.

Ganz spontan hatte ich an diesem einen Tag einem Couchsurfer für eine Nacht zugesagt und während des Tages noch ein spontanes Treffen mit einem Münchner, der am nächsten Tag nach Hause fliegen sollte, verabredet.

 

Bier und Pad Thai organisieren, daheim sein wenn das Taxi und der Landsmann, Kollegen und Co kommen, an diesem Abend sollte alles gleichzeitig passieren....die Uhr schlug Feierabend und ich musste nur noch den PC runterfahren und losfetzen- ich hab mich so auf diesen Abend gefreut, zwei neue interessante Menschen, endlich Freizeit und mit Musik auf dem Balkon sitzen und den Dingen ihren Lauf lassen.

Und das Wochenende steht auch vor der Tür- Herrlich!

Hui, aber ich muss noch einiges besorgen!

Als ich mich auf meinen Roller setzte und Richtung Markt sauste, fühlte sich der Boden so ungewohnt kalt an und als ich an mir runter sah, stellte ich sehr belustigt fest, dass ich ohne Schuhe aus der Arbeit gelatscht bin.

 

 

Das Gehirn wird älter wie jedes Organ.

Es gibt Gehirne die sind wie Maschinen, sie saugen jede Information auf, können Gespräche wortwörtlich wiedergeben, Namen und Outfits brennen sich ein, man braucht keine To-Do-Listen und man vergisst äußerst selten mal etwas, man frägt seine Freunde auch nicht eine Stunde nachdem sie es erzählt haben was sie am Samstagabend machen werden und erzählt nie eine Geschichte doppelt.

Mein Gehirn war so eins. Als mein Chef zu mir kam und mich fragte :"Ach verdammt, wie heisst der Patient nochmal mit dem Prostatakrebs, dessen Frau letztes Jahr in Griechenland war?"

- ich wusste beide Namen und die Adresse noch dazu auswendig.

Nach einer Depression die sich gewaschen hatte, einem Klinikaufenthalt und dem Umkrempeln meines Lebens von innen nach aussen und wieder zurück war ich nicht mehr die Alte.

Und mein Gedächtnis auch nicht.

Informationen behalten und meine Konzentration kann ich nicht mehr kontrollieren wie ich das möchte.

Konzentrieren ist mit Anstrengung verbunden, der Biß ist verschwunden und mein Gedächtnis ist ein mieser Verräter geworden.

Mein Gehirn entscheidet nun selbstständig wann es welche Information speichert und wieder freigibt.

Meistens entscheidet es sich für "Auf Nimmerwiedersehen!"

 

Darüber könnte ich unglücklich sein und mich ärgern.

Es könnte mir Angst machen,was es in meinem Beruf für Auswirkungen haben könnte.

Oder ich könnte mich jedesmal schämen wenn ich wieder etwas vergessen habe.

Bringt mich das weiter? Kann ich mich deswegen besser erinnern?

Nö.

Darum habe ich das aktzeptiert, versuche das Beste daraus zu machen und kommuniziere das. Und.... ich überrasche mich selbst....

Auch wenn ich mal öfter verdutzt meine Freunde angucke, überzeugt bin, dass ich das Wechselgeld gerade eben nicht eingesteckt habe, die Wäsche grundsätzlich jedesmal in der Trommel vergesse und auch mal ohne Schuhe aus dem Haus gehe.

 

Und so sass ich da in dieser lebendigen, thailändischen Nacht auf meinem Roller, barfuß und mit einem Grinsen im Gesicht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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